Das Thema Integrale Kommunikation ist nicht neu, doch im Business ist es bisher kaum angekommen. Richtung 7 ist einer der Vorreiter im Bereich der integralen Unternehmenskommunikation. Was aber verbirgt sich hinter dem Begriff integral? Wer hat den größten Nutzen von einem integralen Ansatz und weshalb? Diese und viele weitere Fragen wollen wir Ihnen in den nächsten Wochen in fünf Beiträgen beantworten.
Integral bedeutet integrierend, umfassend und vollständig, ein Ganzes ausmachend – aber auch ausbalanciert. Deshalb betrachten wir ein Unternehmen, wenn wir eine Identität herausarbeiten, eine Unternehmensphilosophie, ein Leitbild oder eine Kommunikationsstrategie entwickeln aus unterschiedlichen Perspektiven, um alles, was ein Unternehmen als Ganzes ausmacht, zu berücksichtigen und in Balance zu bringen.
Grundlage der integralen Kommunikation ist die integrale Philosophie Ken Wilbers (viele sprechen auch von der integralen Theorie, vom integralen Ansatz oder vom integralen Modell), die immer mehr Anhänger findet und in immer mehr Lebensbereichen ihren praktischen Nutzen unter Beweis stellt.
Die zentralen Elemente der integralen Theorie sind die Wilber‘schen vier Quadranten, Bewusstseinsebenen, Entwicklungslinien, Typologien und Zustände – zusammengefasst auch als AQAL bezeichnet (engl. All quadrants, all levels). Jedes einzelne der Elemente für sich genommen, kann schon erstaunliche Erkenntnisse über ein Unternehmen und seine Kommunikationsstrategie zu Tage fördern, im Zusammenspiel sind sie ein unvergleichliches Analyse- und Planungstool. Zunächst aber zu den Quadranten:
Nach Wilber gibt es vier Dimensionen der Wahrnehmung und des Seins: eine innere, subjektive und eine äußere, objektive, und zwar sowohl das Individuum als auch das Kollektive betreffend. Die vier Quadranten sind also:
1. Innerlich-individuell: Bewusstsein, Emotionen, Gefühle, persönliche Werte und Moral etc.
2. Äußerlich-individuell: Körper und Verhalten, auch Fähigkeiten
3. Innerlich-kollektiv: Kultur, gemeinsame Werte und Weltsichten
4. Äußerlich-kollektiv: soziale Strukturen, Prozesse, Zusammenwirken, Zusammenspiel
Die zentrale Erkenntnis Wilbers ist es, dass alle vier Quadranten „interagieren und sich miteinander entwickeln“. Anders ausgedrückt: Wenn in irgendeinem Quadranten eine Veränderung stattfindet, hat das unmittelbare Auswirkungen auf alle anderen Quadranten.
Eine Fußballmannschaft verpflichtet einen ausgezeichneten Spieler – einen echten Star. Sein Charakter entpuppt sich jedoch als fragwürdig (Ich-Entwicklung; oberer linker Quadrant), und so fällt er schnell durch egoistisches, nicht mannschaftsdienliches Verhalten auf (oben rechts). Weil auch andere Spieler in erster Linie nach sich selbst schauen, Trainer und Management die Situation nicht in den Griff bekommen, funktioniert das ganze System nicht (unten rechts), die Mannschaft verliert Spiel für Spiel. Von einem Wir-Gefühl ist nichts zu spüren, die Stimmung sowohl in der Mannschaft als auch zwischen Mannschaft und Fans / Umfeld ist aufgeheizt, ja vergiftet (unten links).
Das genaue Gegenteil lässt sich seit Jahren beim FC Barcelona beobachten: Der Verein verfügt über eine klare Philosophie, die Mannschaft besteht aus hervorragenden Einzelspielern mit zusätzlich guten charakterlichen Eigenschaften. Der erstklassige Trainer Josep Guardiola, der sich zu 100 Prozent mit dem Verein identifiziert, hat es geschafft, die Stars zu einem funktionierenden Kollektiv zusammenzuschweißen. Das Ergebnis: Der FC Barcelona dominiert den europäischen Fußball seit Jahren fast nach Belieben.
Klingt einfach und fast selbstverständlich, nicht wahr? Dann ist es doch erstaunlich, dass der Fokus in Unternehmen auch heute noch häufig stark auf dem unteren rechten Quadranten liegt, wo Produkte und Leistungen, Strukturen und Prozesse sowie Marketing und Kommunikation verortet sind. Eine klare Philosophie ist häufig nicht vorhanden, oder sie wird nicht gelebt. Für welche Werte ein Unternehmen steht, oder an welchen moralischen Richtlinien sich Mitarbeiter orientieren können, ist in den wenigsten Fällen dokumentiert, geschweige denn nach innen und außen kommuniziert. So wird wichtiges Potenzial hinsichtlich der Unternehmensentwicklung verschenkt.
Doch wie können Unternehmen ihr Potenzial ausschöpfen? Was muss man beachten, wenn man alle relevanten Bereiche in Balance halten will? Diese und andere Fragen beantworten wir in Kürze im Teil 2 unserer Serie: Bewusstseinsebenen – was unser Denken und Handeln entscheidend prägt.
Teil 1: Die vier Quadranten – ein Modell, das alles integriert und ordnet
Teil 2: Ebenen – das Spektrum des Bewusstseins
Teil 3: Entwicklungslinien – von Kognition, Werten, Ich und anderen wichtigen Linien
Teil 4: Typen / Typologien – männlich / weiblich und andere Differenzierungsmerkmale
Teil 5: Anwendungsmöglichkeiten im Unternehmen